, , ,

12.892 Euro Honorar für Finanzverblödung!

Hurra das Honorar ist da!

Unglaublich aber wahr: 12.842 Euro Honorar verlangte ein „Kollege“ von einem Kunden für die Einrichtung einer privaten Altersvorsorge. Und dies selbst dann, wenn der die Vorsorge gar nicht bespart. Finanzverblödung vom Feinsten!

Finanzverblödung – beim Berater

Ein ganz normaler, sonniger Februartag des Jahres 2019. Ein Vertreter, der sich Förderer des Mittelstandes nennt, auf Akquisetour in Nordhessen bei einem Selbständigen. Der sogenannte Föderer des Mittelstandes muss sich unbedingt seine Versicherungsverträge „mal ansehen“ um Optimierungsmöglichkeiten herauszufinden.

Kündigen und neu abschließen – plus Honorar

Zunächst stellten die selbsternannten Förderer des Mittelstandes die laufende Berufsunfähigkeitsversicherung beitragsfrei. Natürlich mit dem Ziel, etwas Neues zu verkaufen. Blöd nur, dass der Kunde aus gesundheitlichen Gründen keinen solchen Vertrag mehr abschließen kann! Er hat quasi seine Invaliditätsvorsorge verloren und keine Chance auf einen Neuabschluß. Coole Förderung!

Und jetzt kommt das Honorar!

Wenn man ein Honorar in der Größenordnung eines Kleinwagens verkaufen will, dann muss natürlich eine hippe Idee her. Und die heißt „Unternehmerkonto“. Dieses „Konto“ hat der Mittelstandsheld dann schon gleich mal für den Kunden eröffnet. Es handelt sich dabei jedoch um eine fondsgebundene Rentenversicherung bei einem Lebensversicherer. Allerdings, weils ja ne coole Sache ist, OHNE Provisionen. Dafür mit Honorar. Klingt fair, oder?

Honorar auch ohne Leistung – Tschakka!

Die Honorarsumme: 12.892 Euro. Sie haben richtig gelesen! Lassen wir uns diese Mittelstandsförderung mal auf der Zunge zergehen: zwölftausendachthundertzweiundneunzig Euro.  Nun wird auch für jede normale Lebensversicherung eine Provision fällig, die durchaus auch bis in solche Höhen steigen kann, bei entsprechender Vertragssumme. Und hier? Der Kunde ist 40 Jahre alt und will mit 65 seinen Laden zuschließen. Das tolle Unternehmerkonto sollte aber bis zu seinem 74. Lebensjahr bespart werden, mit 400 Euro im Monat. Besonderes Schmankerl: Das Honorar hat „…unabhängig von einem etwaig geschlossenen Versicherungsvertrag Bestand. Endet ein etwaig angeschlossener Versichererungsvertrag, so führt das nicht zu einer Beendigung der Vergütungsvereinbarung.“

Können Mittelstandszorros auch Dreisatz?

Sicher! Und sie gehen davon aus, dass der Kunde den nicht kann. Wie sonst ist das zu erklären: Fast 8% der Beitragssumme werden als Honorar verlangt. Hut ab! Damals, vor dem Lebensversicherungsrettungsgesetz, waren rund 4% Provision üblich, heute sind es etwa 2,5%. Die Honorarberater und Mittelstandsförderer hebeln also mit ihrem Modell die gesetzlichen Provisionsdeckel aus und verfielfachen ihr Einkommen! Und ja, auch ohne Versicherungsvertrag! Und wer nun glaubt, da ginge nichts mehr, der steht im Nebel. Denn es kommt noch besser!

Honorar + Provision = besser als nur Honorar

In der fondsgebundenen Rentenversicherung, die hier Unternehmenskonto heißt, sind logischerweise Fonds hinterlegt. Und die hier hinterlegten Fonds erheben Ausgabeaufschläge zwischen 4 und 5,5%. Hinzu kommen laufende Kosten von bis zu 3,3% aufs Anlagevermögen! Das ist in unserer Branche unüblich. Fondspolicen, auch solche MIT Provision, verwenden IMMER Fonds OHNE Ausgabeaufschläge. Hier aber nicht!

Rendite über alles

In der Summe müssen die hinterlegten Fonds also mindestens 8 bis 9% Plus machen, um den Vertrag in eine schwarze Null zu bringen. Und dann hat der Kunde noch immer nicht die horrende Honorarsumme herausgewirtschaftet. Die liegt auch bei 8%. Die Anlage des Kunden muss also mal locker 16 % im Jahr machen, um ihm die Kosten wieder reinzufahren. Viel Erfolg dabei!

Guter Rat und nicht teuer

Der Kunde besuchte mich hier im Büro und hat mir die Papiere vorgelegt. Ich hab ihm das alles gezeigt, vorgerechnet, nachgewiesen. Ich hab ihm sogar gezeigt, wo er im Portal des Versicherers die Kosten der Fonds findet. Er war am Ende blass und hat eine Nacht lang nicht geschlafen. Den Mittelstandsförderer hat er zur Rede gestellt. Der war außer sich. So hohe Kosten, das würde nicht stimmen. Daraufhin hat ihm der Kunde im Internetportal des Versicherers die Kosten nachgewiesen, wie von mir gelernt. Reaktion: Das verstehe er nicht, das war bisher nicht so. Er muss da mal nachfragen.

Ehrlicher: das Strategieportfolio

Therapie gegen Finanzverblödung

Nicht, dass Ihr mich falsch versteht: Der Kunde braucht keine Therapie, der Berater braucht eine. Ich biete mich hier gerne an: Liebe Mittelstandsvernichter, gegen ein Honorar von 150 Euro je Stunde bringe ich Euch gerne bei, wie Ihr so beratet, dass Ihr morgen noch in den Spiegel sehen könnt (sofern Ihr ein Spiegelbild habt). Ich weiß, die Therapie ist teuer, aber Ihr solltet die Hoffnung nicht aufgeben, jeder ist heilbar, auch Ihr!

Wer unterschreibt denn sowas?

Nun fragt man sich, welch gesunder Mensch auf so einen Unsinn einsteigt? Wenn man recherchiert stellt man aber fest, dass dieser Vertrieb einer der größten Strukturvertriebe in Deutschland ist. Und wir müssen uns nichts vormachen: Kriminelle Energie ist sehr oft mit gewaltiger Kreativität gepaart. Jeder ist schon mal irgendwie hereingefallen. Es begreifen ja schon viele Vermittler nicht, was diese Typen da treiben, wie sollen es dann die Kunden verstehen, die von der Materie noch weniger wissen? Das ist meine Mission: Die Leute vor sowas zu bewahren!

Altersvorsorge ist wichtig, nur eben richtig sollte man es machen. Etwa so: Im Strategieportfolio