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Manifest gegen die Finanzverblödung

Foto Stephanie Hofschläger_pixelio.de

Für manche Dinge muss man nichts tun, die kommen von alleine: Haarausfall und Kurzsichtigkeit zum Beispiel. Oder das Alter:  Mit etwas Glück erreicht man mehr davon, als man finanziert hat. Nach dem Motto: Ich bin noch da, aber das Geld ist schon alle. Macht aber nichts, dafür hat die Finanzbranche ja schicke Ideen auf Lager. Denken unnötig: Ein Manifest gegen die Finanzverblödung!

Autonome Geldanlage

Nein, ein Dreitopfhybridmodell ist kein Kleinwagen mit drei Zylindern und zusätzlichem Elektroantrieb. Und das Zweitopfhybridmodell ist dementsprechend auch kein besonders sparsames Auto – beides sind Geldanlagemodelle mit einer Besonderheit: Sie versprechen es besser zu machen als alle anderen Anleger. Bullshit!

Finanzverblödung auf dem Vormarsch

Der Anlagemarkt wimmelt von ach so tollen Ideen und Strategien. Stets wird nur das Beste vom Besten gekauft, wird auf Qualität gesetzt und auf Geheimtipps (von denen natürlich niemand sonst weiß). Das alles freilich immer mit Sicherheit, absoluter Sicherheit. Und außerdem sind da ja noch die tollen Ergebnisse der Vergangenheit und die Obergurus, die Fondsmanager und Hochglanzberater. Außerdem wird es die Bank doch wohl wissen, wenn sie es verkauft, oder? Jeder Berater weiß immer, das sein Anlageprodukt der Renner sein muss, geht ja gar nicht anders. Wieder Bullshit.

Gegenbeweise genug

Schon im „Lexikon der populären Irrtümer“, erschienen 1996, beweisen die Autoren, dass sogenannte Börsenprofis eben nicht mehr wissen, als andere, eher weniger. Schon in den dreißiger Jahren hat dies Alfred Cowles bewiesen, ein amerikanischer Industrieller und Begründer der Cowles Kommission. Gleiches Ergebnis bei einem Test der schwedischen Zeitschrift „Expressen“: Ein Affe, der Dart-Pfeile auf Kurszettel warf, erreichte mit seiner Auswahl eine bessere Rendite als fünf Börsenmakler. Affenschande, nennt das der „Expressen“. Und wem diese Untersuchungen und Tests zu alt sind, der lese Susann Levermanns Buch „Der entspannte Weg zum Reichtum“, erschienen 2011.

Am Ende schlauer

Wenn dieses Wissen nun doch schon so lange vorhanden ist, warum wendet es niemand an? Antwort: Gier, die blanke Gier! Mit undurchschaubaren Produkten lassen sich viel höhere Kosten durchsetzen. Und der Kunde glaubt, er habe den Stein der Weisen gekauft, zumindest ein Stück davon.  Niemand, ich wiederhole: Wirklich niemand hat die Kristallkugel, aus der die Zukunft zu ersehen ist. Aber in unserer Branche wissen ja alle, was Morgen kommt. Es reicht, wenn das Produkt die Fantasie beflügelt, mit einem Namen der möglichst viel Geld gekostet haben mag. Am Ende erst wird abgerechnet, und die Rechnung bekommt der Anleger. Da ist der Berater meist nicht mehr da. Was dann aber da ist: Das Alter!