Drei Dinge sind heuer besonders wichtig: Abstand halten, Desinfizieren, Humor. Ersteres fällt schwer, außer Familie und Freunde wechseln ohnehin die Straßenseite, wenn sie dich sehen. Zweites scheitert daran, das manche Zeitgeister Sagrotan saufen und vierlagiges Klopapier als Brotbelag verwenden. Und der letzte Punkt, Humor, bleibt einem eher im Halse stecken, angesichts der Lage. Nur ist ein Leben ohne Humor ebenso sinnlos wie eines ohne Familie, Freunde und Alkohol. Und damit sind wir beimThema:

Humor durch/mit Alkohol!

Corona ist in aller Munde

Zum Glück noch nicht. Und wenn doch: Desinfizieren geht auch innerlich. Auf all unseren Wanderungen im Kaukasus oder Balkan haben wir große Erfolge durch regelmäßige innere Desinfektion erziehlt. Nicht umsonst lautete mein Spitzname auf unserer Tour letzten Sommer „Wodka“. Und wenn einem die Georgier diesen Spitznamen verpassen, dann will das was heißen. Dazu aber ein andermal mehr. Seit zwei Wochen jedenfalls desinfizieren wir jeden Abend. Innerlich. Bisher mit Erfolg, auch was den Humor angeht. Hier unsere Rezepte:

Stolichnaya

Vor zwei Jahren retteten wir einen über 30 Jahre alten sowjetischen Exportwodka vor der Vernichtung.  Der stand in der Garage meiner Mutter neben vielen anderen Spirituosen und Weinen. Nun ist meine Mutter militante Antialkoholikerin, die jedoch ständig mit Alkohol beschenkt wird. Eines Tages packte sie den ganzen Vorrat ins Auto und verteilte ihn in der Stadt an den bekannten Stellen an die „Bedürftigen“. Den Wodka konnten wir eben noch retten, alles andere löste vor Ort große Freude aus. Auch eine Art von Humor, Galgenhumor vielleicht.

Den Stolichjana, so man noch welchen auftreiben kann, trinkt man am besten aus dem Eisfach. Es dauert ein paar Tage bis die Geschmacksnerven so weit sind zu begreifen, dass das Zeug wie Öl runtergeht und echt Stil hat.

Na denn: Sa sdorovje!

Humor

Albanischer Raki

Leider schon alle, aber immer wieder eine Reise wert. Albanien, meiner Meinung nach das gastfreundlichste Land Europas, hat eine eigene Rakikultur. Gebrannt wird immer und überall. Dementsprechend kann man das Zeug auch überall kaufen, meist in leeren Colaflaschen. Es lohnt jedoch in wirklich guten Bars nach einer ganzen Flasche zu fragen und diese mitzunehmen, die Qualität ist oft grandios. Albanischer Raki wird aus allem gebrannt, was so üblich ist. Eine besondere Variante wird aus Maulbeeren hergestellt, sehr lecker. Das Dumme an dem Gesöff ist: Ich sehe die albanischen Berge, das Prokletjegebirge, das Schäferdorf Doberdol, Butrint und all die schönen Orte die wir bereist haben. Gut, dass er alle ist.

Trotzdem: Gesua!

Bulgarischer Selbstgebrannter

Stammt auch aus den Arsenalen meiner Mutter. Bekam sie von einem bulgarischen Kraftfahrer geschenkt, einem ihrer Lieferanten, den sie bei sich Zuhause duschen ließ. Der Schnaps hat eine ganz leicht goldgelbe Farbe, ich tippe auf Traube als Basis. Brennt etwas im Abgang und wärmt extrem nach. Dieser Schnaps ist derzeit in unserem Wanderflachmann als Gipfelschnaps abgefüllt. Und Ihr glaubt nicht, wie viele Gipfel es hier in der Umgebung gibt!

Nasdrave!

Georgischer Chacha

Chacha heißt auf deutsch einfach Schnaps, und das war er auch. Gut, dass er alle ist. Wahrscheinlich hab ich bisher kein Corona, weil ich mit dem Zeug gegurgelt hab. Um keine Fakenews zu verbreiten: Die Georgier brennen wirklich guten Chaha, wir können sein letztem Urlaub ein paar Lieder davon singen. Doch wie in Albanien auch: Nicht alles was in Wasserflaschen abgefüllt ist, schmeckt nach Wasser. Man bekommt sehr, sehr guten Schnaps in Georgien, und noch besseren Wein (auch dazu ein andermal mehr), aber man sollte wissen, wo. Die hier angepriesene Ware war ein Notkauf am letzten Urlaubstag, gekauft auf dem Bauernmarkt in Telavi. Und er war auch nötig, denn die fünf Stunden im Geländewagen am Tag zuvor, über eine der gefährlichsten Passstraßen der Welt, die muß man sich wegsaufen. Eigentlich hätten wir den Schnaps vor der Fahrt trinken müssen. Besser gesagt: Hätten wir gewußt was auf uns zukommt, dann wären wir nicht nüchtern in das Auto gestiegen:)

Georgischer Chacha vom Bauernmarkt Telavi. Mindestens 58 Prozent, wahrscheinlich mehr. Brennt wie die Hölle und war absolut kein Gaumenschmaus. Aber billig, der Liter 3 Euro. Der Schnaps ist so hart wie das Leben dort. Auch wenn er geschmacklich nicht die Krönung war, er hat geholfen.

Na denn: Mkhiaruleba!

Armenischer Cognac

Ich weiß, ich weiß, der darf eigentlich nicht Cognac heißen, weil er nicht aus der Region Cognac kommt. In Armenien aber darf er das, solange er im Land bleibt. Ich selbst meide Cognac, seit einem Trauma vor 30 Jahren wird mir schon vom Geruch schwindelig. Aber meine Frau meint, das Getränk gehöre zur Spitzenklasse seiner Sorte, in der Tat ist Cognac einer der wenigen Exportschlager des Landes. Armenien! Was bedauere ich meine Abneigung gegen dein Nationalgetänk. Denn alles, wirklich alles was du uns letzten Sommer in wenigen Tagen von dir gezeigt hast, hat uns verliebt gemacht in dich, Armenien. Im Moment aber können wir dich nicht besuchen, und eine ferne Liebe ertränkt man am besten in Alkohol. Gut, dass wir vorgesorgt haben. Armenischer Ararat-Cognac. Blumig, weich, aromatisch, bekömmlich. 40 Protent.

Urakhut´yun!

Polnischer Sliwowica

Der stammt aus dem Riesengebirge. Leider auch schon halb leer. Wer nicht zu weit reisen will aber eine in Deutschland eher unbekannte Wanderregion sucht, der sollte dort mal hinfahren. Das Riesengebirge wartet mit urigen Hütten, traumhafter Natur und leckerem Essen auf. Polnische Gastfreundschaft gibts gratis oben drauf. Die Region ums Hirschberger Tal ist übrigens für Geschichtsinteressierte so ergiebig wie für Literaturfreunde. Die Hohenzollen verbrachten hier ihre Sommerfrische und Gerhard Hauptmanns Wohnhaus kann besichtigt werden, es ist wirklich eine Reise wert. Polnischer Sliwowica. 50 Prozente und einfach nur lecker!

Humor

Das vielleicht Beste kommt zum Schluß: Max Sonntag!

Warum in die Ferne schweifen, denn das Gute liegt so nah! Die Schnapsbrennerei Max Sonntag aus Neudorf im schönen Erzgebirge. Hab ich schon erwähnt, dass das Erzgebirge inzwischen unsere liebste „Naherholungsregion“ geworden ist? Eine der schönsten Ecken Deutschlands, von Touristenmassen verschont, von traumhaften Wanderwegen durchzogen. Wer was Besonderes erleben will, der fährt mit Deutschlands einziger planmäßig verkehrender (Klimaschützer bitte beide Augen zudrücken) Dampfschmalspurbahn von Cranzahl nach Oberwiesenthal. Die 17 Kilometer Fahrt sind ein einzigartiges Erlebnis an Entschleunigung, es ist eine Zeitreise. In Oberwiesenthal angekommen, wandert man hinauf auf den Fichtelberg und vor dort hinunter ins Tal. Es gibt einen Wanderpfad direkt an der Bahnlinie entlang, den läuft man halt bergab bis zum Auto zurück. Unterwegs kommt man durch Neudorf, und 50 Meter vom Wanderweg entfernt liegt die Brennerei Max Sonntag. Dort wird man von einer stets gut aufgelegten Dame in Kittelschürze mit leckeren Kostproben versorgt und wandert alsdann lustig und belebt die restlichen fünf Kilometer bis zum Auto zurück. Nur: Wer fährt jetzt? Max Sonntags Vogelbeerschnaps. Typisch erzgebirgisch, leicht fruchtig, macht Spaß. 40 Prozent.

Also Prost!

Humor

Verliert den Humor nicht!

Euch allen wünsche ich von Herzen: Bleibt gesund! Lasst Euch nicht unterkriegen! Haltet durch! Denn nicht vergessen: Bestenfalls spricht der Bär!

Alles, alles Gute!

Olaf