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Manchmal muss es einfach sein. Ich konnte bei diesen Wetteraussichten nicht nein sagen und meldete mich spontan beim Kassel-Marathon an, am Vorabend. Passendes Training? Fehlanzeige. Es könnte ja als langer Trainingslauf durchgehen, dachte ich. Nun ja. Gesundheit ist die beste Versicherung, ist mein Motto, und Laufen ist doch gesund, oder nicht? Vorab-Fazit: Bitte nicht nachmachen:)

Gesundheit

Kilometer 10, noch locker

Gesundheit ist die beste Versicherung

… sag ich immer. Wenn ich mich doch wenigstens an meine eigenen Spüche halten würde! Blöd nur, dass mein Azubi die Benchmark zielmlich hoch gelegt hat, und ich will ihm ja natürlich nacheifern. Fast 30 Jahre Altersunterschied? Für mich doch kein Problem! Ohne Training war trotzdem keine gute Idee, oder doch?

Kein Training ist auch keine Lösung

In der Marathonwoche bin ich nur 14 km gelaufen. In der Woche davor waren es 35. Davor 43 und Von Anfang bis Mitte August plagte mich mein Kreuz dermaßen, dass an Laufen nicht zu denken war. Kein Lauf über 18 Kilometer. Nordic Walking und Schwimmen, damit hielt ich mich aufrecht.

Von Mitte Juli, gerade aus dem Urlaub zurück, bis Anfang August, lief auch nicht viel, um nicht zu sagen gar nichts. Vielleicht war ich etwas knapp an Trainingskilometern?

Startschuß

Von ziemlich weit hinten jogge ich zunächst an die Zugläufer zur Zielzeit 4:14 heran. Die beiden unterhalten sich wirklich nett, aber ich hab beim Laufen lieber meine Ruhe. Also vorbei und ran an die 3:59. Auch hier wird getratscht. Mit etwas Abstand folge ich der Truppe und bremse mich aus. Ist mir eigentlich zu langsam. Aber ich weiß ja, dass ich nichts drauf hab heute. Wie wenig ich tatsächlich drauf hab, weiß ich in dem Moment noch nicht.

Erster Staffelpunkt

Ich überhole Peter. Der wird gleich ausgewechselt, was aber auch nötig ist. Seine Wade macht komplett zu. Rund um die Wechselzone tolle Stimmung. Macht Spaß, hier zu laufen. Abseits der Hotspots ist es an der Strecke oft sehr ruhig, und das liebe ich. Letztes Jahr in Frankfurt hab ich mich dreieinhalb Stunden anschreien lassen müssen. Danach hatte ich Ohrenschmerzen. In Kassel kann ich laufen und meinen Gedanken nachhängen. Kein Drängeln, kein Stress. Wunderbar!  Entspannt laufen, tut der Gesundheit gut:)

Irgendwo in Bettenhausen

Sylke überholt mich. Sie ist gestern in Norddeutschland einen Marathon mit 700 Höhenmetern gelaufen. Aha! Das blanke Gegenteil zu mir also, der ich gar nicht vorbereitet bin. Sylke ist im Marathon 100 Club, die sammelt Marathonläufe wie andere Briefmarken. Respekt.

Sandershausen

Ich streife von der Strecke ab und besuche einen Bekannten der in seiner Firma, direkt neben der Strecke, heute arbeiten muss. Kurzer Plausch, dann gehts weiter. Immer noch gute Beine und ich hab Hoffnung, in 4 Stunden durch zu sein. Abwarten.

Kilometer 25

Aua. Jetzt werden die Muskeln doch etwas müde. Alles noch erträglich, und ich weiß, ich werde bis ins Ziel laufen. Aber langsam dämmert mir, worauf ich mich eingelassen habe. An einer Wendestrecke kommt mir Marcus entgegen. Er ist auf 3:30 Kurs. Letztes Jahr in Frankfurt sind wir zeitweise zusammen unterwegs gewesen. Er ist größer als ich, einer schöner Windschattenspender.

Kilometer 30

Schei…. An den Verpflegungsstellen lege ich Gehpausen ein. Das Tempo sinkt allgemein. Die 3:59 Gruppe ist außer Sichtweite. Laut Uhr müsste ich in 4:05 reinkommen. Aber die Beine brennen wie Zunder. Ich schleppe mich die Steigungen rauf. Langer Trainingslauf, haha… Marcus hat Probleme mit der Hitze, langsam schleiche ich an ihm vorbei.

Kilometer 35 oder so

Gegenüber von Jo´s Garage ist die beste Eisdiele Kassels. Ach was, Deutschlands beste Eisdiele. Dort gibts Basilikum-Schmand-Eis. Direkt vor der Eisdiele Menschenmassen, Stimmung, Party. Mir egal. Ich schere aus und gehe erstmal ein an die Theke, ein Eis abholen. Das hab ich gestern schon so vereinbart. 13:30 Uhr hole ich mein Eis ab, war vereinbart. Bin 5 Minuten zu spät, aber verlasse trotzdem freudestrahlend die Eisdiele.

Drama Baby, Drama

Eis essen beim Marathon muss ich unbedingt in den Trainingsplan einbauen. Damit ich mich dran gewöhne. Denn mein Magen rebelliert und macht total zu. Ich bekomme Bauchkrämpfe und kein Bein mehr vor das andere. Irgendwo zwischen Kilometer 38 bis 40 muss ich gehen. Nichts geht mehr, sozusagen. Marcus hat mich längst wieder überholt. Ich hab Kreislaufprobleme und Beine aus Holz. Aber geschmeckt hats trotzdem, Basilikum-Schmand:)

Menzelstraße

Also gut, ab hier wird wieder gelaufen. Ich höre das Getöse aus dem Stadion. Wann wirds endlich ein Ende haben mit dieser verdammt endlosen Straße? Die 4:14 Zugläufer sind an mir vorbei, als ich ins Stadion einbiege. Wenn jetzt an der Ziellinie einer steht und mich unterschreiben ließe, dass ich nie wieder Marathon laufen will, ich würd sofort den Stift zücken. Obwohl ich mich einfach nur noch fallen lassen will.

Ende gut, Gesundheit gut, oder?

Was lerne ich daraus? Ein bisserl Training kann nicht schaden. Einen Tag Muskelkater  hat mir die Aktion beschert, sonst scheint nix kaputt zu sein. Und den Wunsch, noch einen zu laufen, verspüre ich schon am Tag danach. Die Anmeldung für Magdeburg hab ich eben ausgefüllt. Sind noch fünf Wochen bis dahin. Diesmal werde ich sie nutzen. Und meine Lieblingseisdiele in Magdeburg liegt zum Glück nicht direkt an der Laufstrecke. Dann kann ja eigentlich nichts schief gehen.

Euer Olaf