Gregor Gysi und die Riester-Rente (2)

Geschrieben von Olaf Misch

Juni 20, 2017

Was kommt nun tatsächlich bei Riester heraus?

Am Ende bringt es Rosas Vertrag auf ca. 47.000 € Guthaben. Sagen wir, nach Rentenbeginn bleibt die Wertentwicklung des Vertrages niedrig, bei 1 % durchschnittlich. Rosa erhält eine monatliche Riester-Rente in Höhe von etwa 170 €. Ihre gesetzliche Rente wird kaum über 800 € liegen, mit der Riesterrente zusammen dürfte Rosas Rente steuerfrei sein. Erinnern wir uns, das wir oben Herrn Gysi den Steuervorteil in der Ansparzeit geschenkt hatten!

Wie alt muss Rosa nun werden, um bei 170 € Rente ihren Eigenaufwand von 27.983 € hereinzuholen? Richtig: Es dauert 13 Jahre, dann hat Rosa ihren Eigenbeitrag als Rente wieder erhalten. Und da hat Herr Gysi recht: Rosa ist dann 80 Jahre alt.

 

Warum ist das so?

Nach der Sterbetabelle der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV2004R), hat Rosa eine Lebenserwartung von 100 Jahren und 4 Monaten. Die Sterbetabelle des Statistischen Bundesamtes bescheinigt Rosa ein mögliches Alter von 85 Jahren, und der Versicherer rechnet mit 98 Jahren Lebenserwartung.
Erreicht Rosa also „nur“ das 85. Lebensjahr, rentiert die Summe ihrer Eigenbeiträge mit 3,5%! Niemand kann in die Zukunft schauen. Aber Hand aufs Herz: Bei ihrer Minirente, wird sich Rosa über die 170 € jeden Monat freuen? Und was wäre die Alternative? Früher sterben?
Dabei sind wir in unserer Berechnung nur von einer Gesamtverzinsung des Vertrages von 1% ausgegangen. Über einen Zeitraum von 42 Jahren und länger, wie realistisch ist das? Wir haben die Steuervorteile in der Ansparphase gar nicht eingerechnet, zudem steigt ab 2018 wohl die Grundzulage, auch das ist nicht berücksichtigt. Bekommt Rosa doch einst Kinder, fließen je Kind 300 € Zulage jährlich in ihren Vertrag. Alles in Allem doch eine gute Sache, gerade für Menschen mit geringem Einkommen.

 

Was tu ich nun mit meinem Riester-Vertrag?

Klar, es gibt Riesterverträge die schlecht laufen, aber liegt das an der Idee Riester an sich? Die Riesterrente war eine Zangengeburt, man hätte manches besser machen können. Hinterher ist man immer schlauer. Dass viele Zulagen nicht abgeholt werden liegt an den Kunden oder/und am Berater, nicht an der Riesterrente als Konzept. Wer mit seinem Riestervertrag unglücklich ist, der darf den Anbieter wechseln und das Guthaben mitnehmen. Es gibt durchaus rentable Fondssparpläne für Riestersparer. Mein Rat: Dauerzulagen Antrag kontrollieren (lassen), Rendite nachrechnen (lassen), Vertrag ggf. wechseln, im Auge behalten.

 

Meine persönliche Meinung zu Riester

Was will Gregor Gysi uns nun sagen? Vermutlich mußte einfach mal wieder ein Thema her das schwer zu durchschauen ist und für ordentlich Krawall sorgt. Vielleicht gehören Herr Gysis Zahlen zu Ostrentnern, deren Rente oft dramatisch niedrig ausfällt. Ist das so, dann mag er sich bitte fragen, welchen Anteil seine eigene Partei daran hat, dass es ab 1990 und in den Folgejahren im Osten der Republik Massenarbeitslosigkeit gab. Warum existierte im Osten über lange Zeit ein Lohnniveau ähnlich der Leibeigenschaft? Die Renten dort spiegeln diese Entwicklung wieder. Er mag sich bitte fragen, welchen Anteil seine SED daran hatte, dass wir noch heute in ganz Deutschland einen Solidaritätszuschlag zahlen um das wieder aufzubauen, was seine Genossen in 40 Jahren vernichtet haben.
Die Riesterrente mag kein Idealprodukt sein, sie hat ihre Fehler. Aber bevor man mit dem Finger auf Andere zeigt, sollte man mit ihm einen Taschenrechner benutzen können.

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